Im heutigen Interview mit Anny von Positiviphy erfahren wir mehr über die Balance von Körper und Geist, wie wichtig es ist auch den Alltag zu schätzen und über ihre Selbstständigkeit als Motivations- und Körpertrainerin. Ich für meinen Teil bin sehr fasziniert von ihrem Lebensstil, Ansichten und Trainingsmethoden.

Mit Positiviphy führst du nicht nur einen Lifestyle- und Motivationsblog, sondern einen gesamten Lebensstil den du deinen Lesern vermittelst. Wie bist du zu dieser Einstellung / der Lebensweise gekommen?
Ich bin als Wendekind mit dem Gedankengut aufgewachsen, dass es nicht selbstverständlich ist, die Freiheit, die ich habe, genießen zu können. Man sollte dafür dankbar sein, wie viele Möglichkeiten wir gerade hier in Deutschland und besonders mit unserer Meinungsfreiheit erhalten. Dass die Sachen, die man als “kleine Dinge” des Lebens bezeichnet eigentlich unseren ganzen Alltag ausmachen und dass alles weitere eine tolle Erhöhung und Ergänzung unseres Lebens, statt eines anzustrebenden Normalzustandes ist – das habe ich selbst herausgefunden. “Höher, schneller, weiter!” Das kann einen sehr unter Druck setzen – ich mag es mich darauf zu besinnen, was in meinem Alltag wunderschön ist. Das bedeutet nicht, dass man nicht auf Ziele hinstrebt nur weil man noch nicht angekommen ist, muss der Jetzt-Zustand nicht schlecht sein.

In meinem Leben gab es eine Zeit vor und nach einem schweren Sportunfall. Ich möchte nicht näher darauf eingehen, was da genau passiert ist, aber es hieß jahrelang ich würde nie mehr normal essen, nie mehr ohne Schmerzen sprechen und noch andere Dinge nicht mehr tun können. Ich habe das lange geglaubt, enorm viele schlechte Erfahrungen im schulmedizinischen Bereich eingesteckt und bin irgendwann zu dem Punkt gekommen, an dem ich NEIN gesagt habe. Ich suchte mir alternative Hilfe. Eine Ostheopathin sollte es werden… Auch hier machte ich zunächst schlechte Erfahrungen, suchte weiter und fand Monic. Eine Frau, die mein ganzes Leben verändert hat. Durch sie habe ich gelernt meinen Körper zu verstehen, ihn als gleichwertigen Partner zu betrachten und nicht als meinen Feind. Gerade in schlechten Zeiten! Monic hat mich gelehrt das Gute im Moment auch dann zu suchen, wenn alles böse und feindlich erscheint. Sie hat mir beigebracht mich bedingungslos zu akzeptieren und meinem Körper zu zuhören. Ich habe gelernt, wie einfach es ist sich selbst gesund zu machen. Wenn man versteht warum überhaupt ein Ungleichgewicht entstanden ist. Ich wurde süchtig nach Wissen über den Körper, nach Techniken, Methoden und Inhalten und bin es noch immer. Eines Tages sagte Monic zu mir, ich sollte weitergeben, was ich weiß, denn ich hätte viel zu geben. Jetzt mache ich genau das und es hat sich noch nie etwas in meinem Leben so richtig angefühlt!

Interview mit Anni von PositiviphyZusätzlich arbeitest du als Motivations- und Körpertrainerin. Wie kamst du dazu? Und wie arbeitet man als Körpertrainerin. Ich denke, dass viele dazu kein genaues Bild im Kopf haben.
Seit Mai 2015 bin ich mit Relaxaya in einem eigenen Studio selbstständig, arbeite aber schon seit meiner früheren Jugend im Trainer-Bereich. Damals selbst noch Teenagerin, unterrichtete ich Kinder und Jugendliche im Sommer im Segelsport, im Winter in Athletik. Mein Studium hat das Ganze für mich dann unterbrochen. Ich habe das Unterrichten sehr vermisst, hatte bestärkt durch Monic, aber das Bedürfnis nun auch Erwachsene einzubeziehen. Trotz vieler Rückschläge, war ich immer jemand der einfach weiter gemacht hat. Ich habe nie aufgegeben und mich fallen lassen. Das will ich weitergeben. Als Testlauf dafür, hatte ich mich in ein Yoga-Studio eingemietet und bin dann eher zufällig mit meinem Freund zusammen in ein Studio / Büro gezogen. Ich mache vorn Relaxaya und er führt hinten seine Kreativagentur, für die ich nebenbei auch texte und fotografiere.

Körpertrainerin nenne ich mich, weil ich keine Ausbildung in irgendeinem Trainer-Beruf habe, nur meinen Breitensport-Schein. Wer Scheine anstellt und keine Menschen, der ist bei mir leider nicht an der richtigen Adresse, denn ich habe keine Ausbildung. Man kann sich wenn man, so wie ich, ein offizieller “Niemand” im Schein-Bereich ist zum Beispiel Wellnesscoach, Lifecoach und vieles mehr nennen. Ich habe mir “Körpertrainerin” ausgesucht, weil ich finde, dass es das gut auf den Punkt bringt, was ich mache. Ich trainiere den Körper, sich wieder klar auszudrücken und den Menschen, diese Signale zu verstehen.

Vor allem praktizierst du Relaxaya. Was ist das genau?
Relaxaya ist ein Kunstwort, das ich mir selbst ausgedacht habe. Es kam in meinen Sinn und ich fand es einfach schön. Das hat nicht einmal damit zu tun, dass ich Germanistik studiere. Ich liebe es, Wörter zu erschaffen und ihnen Bedeutung zu geben. Stelle dir vor, das Leben und die Art wie du dem Leben gegenübertrittst wäre die Oberfläche einer Trommel und dein Körper wäre ein Haufen Sand darauf. Wann immer du eine schlechte Erfahrung machst, Schmerzen erleidest oder dich unwohl fühlst, klumpt sich der Berg Sand weiter in der Mitte der Trommel zusammen. Die Trommel wird einseitig belastet, das Leben fühlt sich hart und schwer an. Aber, wenn du ganz langsam und sanft auf die Trommel schlägst, wird sich der Sandberg zu einer glatten Fläche verteilen. Egal wie groß und schwer er war. Genau das ist Relaxaya!
Es ist eine Mischung aus Yoga, Mudras, Meditation, Pilates, Kampfkunst, Akupressur und absolut allem, was derjenige gerade braucht, der zu mir kommt. Einige bekommen einfache Alltags-Aufgaben, wie spazieren gehen, einen Plan, wann sie ihr Handy ausschalten und eine Uhrzeit zu der sie morgens im Bad tanzen müssen, das alles wird kombiniert mit Haltungen und Bewegungsabläufen, die Selbstheilung von Körper und Geist anregen. Aber am meisten ist es das Verständnis für den eigenen Körper, das langsame wieder Kennenlernen von sich selbst. Es klingt banal, aber manchmal braucht ein Mensch nichts weiteres, als die Erlaubnis glücklich zu sein.

Wie kam es zu der Gründung von Positiviphy?
Auch Positiviphy ist ein Kunstwort. Ich spreche es, genau wie Relaxaya übrigens, ganz “deutsch” aus. Damals habe ich noch etwas völlig anders gemacht, nämlich fotografiert und zugegebenermaßen am Anfang noch nicht besonders gut. Dafür aber gern! Ich habe damals Positiviphy aus Positivity und Photography zusammengesetzt. Den Namen habe ich dann einfach beibehalten, als ich mein jetziges Blog Ende 2014 gegründet habe. In einem Interview zum Thema Firmen Gründung vor Kurzem, wurde ich darauf angesprochen, ob es aus Positivität und Philosophy zusammengesetzt wäre – das hat mir sehr gut gefallen und könnte die neue Bedeutung von Positiviphy werden.

Interview mit Anni von PositiviphyWir alle leben in einer Welt der Beschleunigung und auch durch deinen Blog, Instagram und andere soziale Plattformen bist auch du mittendrin. Was hilft dir runterzukommen?
Meditation, Yoga, Lächeln, Schreiben, meine Katzen und das Meer. Lebewesen einfach zu betrachten oder bewegte Natur, wie Wellen oder Bäume im Wind zu sehen, bringen eine Ruhe in mich hinein, die sich mit Worten schwer fassen lässt. Auch sich einfach nur zu umarmen und die Augen zu schließen kann viele Emotionen glätten. Wenn sich hartnäckige Emotionen einschleichen oder ich merke, dass Gefühle von Wertlosigkeit, Neid auf andere oder Ängste aufkommen, dann nutze ich verschiedene Mentaltechniken, wie beispielsweise das Beliefhacking. Diese Techniken bringe ich mit Relaxaya auch anderen bei.

Du bist als Motivations- und Körpertrainerin selbstständig. Hast du vielleicht Tipps auf Lager für Leute, die sich auch in diesem Bereich selbstständig machen wollen?
Ja, ich bin selbstständig. Relaxaya gibt es für Unternehmen, zu denen ich hinfahre, für Privatpersonen vor Ort oder per Mail / WhatsApp und natürlich auch auf meinem Blog. Gerade arbeite ich zum Beispiel an einem Download-Programm für alle, die nicht Einschlafen können und generell Schlafprobleme haben. Bei solchen Sachen empfehle ich euch Tests zu machen. Für das Programm kann man sich zum Beispiel auf meiner Seite kostenlos voranmelden. So kann ich schon bevor das Programm überhaupt von mir erstellt wird mit den Interessierten in Kontakt treten, um eventuell noch Nachfragen zu stellen falls ich Input brauche und natürlich absehen, wie viele Menschen an meinem Programm interessiert sind. Dass so etwas unverbindlich ist, finde ich persönlich sehr wichtig, denn ich möchte, dass meine Produkte von Menschen gekauft werden, weil sie es in dem Moment wirklich möchten und ihnen dadurch geholfen wird – nicht weil sie sich Monate vorher für etwas verbindlich angemeldet haben.
Ich finde es außerdem wichtig, sich regelmäßig selbst zu fragen, ob man das tut womit man sich wohlfühlt. Man sollte stets ehrlich mit sich sein und keine Angst davor haben, den Kurs zu korrigieren. Früher dachte ich, ich möchte ausschließlich mit Privatleuten arbeiten. Inzwischen macht mir die Arbeit mit Unternehmen (da kann von der kleinen Privatschule, bis hin zur großen Bank alles dabei sein) so viel Spaß, dass ich bereits fürs nächste Jahr viele Termine angenommen habe. Ich habe auch extrem viel Lust darauf einfach in andere Städte zu fahren und offen für alles zu sein. Ich denke, das ist sehr wichtig – limitiert euch selbst nicht und hört euch Angebote erst einmal an, bevor ihr gleich Angst bekommt oder aus Prinzip ablehnt.

Das wichtigste jedoch zum Schluss: Man sollte mit sich ehrlich sein. Ich höre fast täglich den Satz: “Ich möchte auch gern das machen, was du machst, weil ich so gern Menschen zuhöre. Ich denke, fast niemand ist sich bewusst, dass da das Leben von Menschen in meinen Händen liegt. Ich lehne auch manchmal Aufträge ab, weil ich zu 100% sicher sagen kann, ob ich jemandem helfen kann oder nicht. Ich würde lieber einen Monat nichts verdienen, als Menschen zu betreuen, denen meine Arbeit nicht helfen kann. Relaxaya ist kein simples Kinderspiel. Zu mir kommen Menschen, die oft seit vielen Jahren Schmerzen haben, Menschen, denen kein Arzt helfen konnte, Menschen mit Burn-Out und Depressionen, Menschen, die sich hassen oder die heftige Schicksalsschläge hinter sich haben. Menschen, die beeinflussbar sind, weil sie sich dafür entschieden haben, mir zu vertrauen. Obwohl ich kein Arzt bin. Meist WEIL ich kein Arzt bin. Es gibt keine größere Verantwortung als das. Und ich bin so offen zu sagen, dass du dich nicht selbstständig machen solltest, wenn du nicht zu 100% sicher bist, dass du niemandem schaden wirst, nur weil du Geld verdienen willst, oder musst. Respektiere nicht nur menschliche und rechtliche Grenzen, sondern auch deine eigenen. Egal wie heftig die Geschichten sind, die ich höre. Ich gehe niemals abends ins Bett und bin durch meine Arbeit selbst belastet. Solange man das nicht kann, sollte man sich in diesem Bereich nicht selbstständig machen.

Ich habe beobachtet, dass momentan in der Gesellschaft ein Umdenken stattfindet und die Leute sich wieder erden wollen und ihren Alltag achtsamer wahrnehmen möchten. Empfindest du das auch so? Hast du seit diesem Umschwung mehr Anfragen?
Da ich erst seit Mai selbstständig bin, kann ich dazu noch nicht so viel sagen. Aber ja, ich denke, dass die Toleranz, für den Gedanken sich selbst zu helfen und sich wieder auf die einfachen Mittel der Natur und den eigenen Körper zu besinnen, wächst.

Interview mit Anni von PositiviphyWofür bist du dankbar in deinem Leben?
Für das Leben selbst, mit all seinen wunderbaren Facetten. Mit all dem Dunkel, dass das Licht lebenswert macht und all dem was uns umgibt und diese Welt so einzigartig sein lässt.

Liebe Anni, an dieser Stelle noch einmal vielen Dank für das tolle Interview!

Fotos © Anni von Positiviphy

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