#02 Ursachen & Symptome einer Angststörung

Im letzten Artikel habe ich Euch hauptsächlich die Banalität einer Panikattacke verdeutlicht; wie sie funktioniert und wie wir mit unserem Verstand selbst dafür sorgen, dass sich das Ganze ins gefühlt Unerträgliche und Unermessliche steigert.

Heute möchte ich genauer auf die (größtenteils persönlich erlebten) körperlichen und mentalen Symptome / Stresssymptome eingehen, die aus (1.) Unwissenheit und durch (2.) falschen Umgang mit Angst und Panik (über einen längeren Zeitraum) hervorgehen können. Oder kurz: wenn die Angst vor der Angst / den Symptomen, größer und stärker wird als die Angst / Symptome selbst.


Wichtiger Hinweis: Weder bin ich Psychologe noch befinde ich mich in solch einer Ausbildung. Ich bin ein recht normaler Typ, Ende 20, der in einem kreativen Beruf tätig ist. Aber ich berichte aus eigener Erfahrung und habe Einiges durchmachen und mir mein jetziges Wissen mühsam erarbeiten müssen. Dieses Wissen möchte ich nun gerne weitergeben und Euch somit eventuell viel Stress ersparen.


Wer kann Panikattacken bekommen?

Zuerst einmal… wer kann eigentlich Panikattacken und / oder eine generalisierte „Angststörung“ (Englisch: „General Anxiety“) bekommen? Ganz einfach: jeder. In jedem Menschen schlummert dieser uralte überlebenswichtige Mechanismus, der mit unserem Verstand missbraucht und zu einem längerfristigen Problem werden kann. Aber auch hier gibt es spezielle Faktoren, die die Entstehung von Panik und „Nervenzusammenbrüchen“ begünstigen.

Ein Mensch, der in seiner Kindheit emotional oder physisch missbraucht wurde, über längere Zeiträume überdurchschnittlich viel Angst erlitt, nicht genügend Aufmerksam bekam oder auch zu sehr bemuttert wurde, ist hierfür grundsätzlich anfälliger. Auch schwere Traumata können die Entstehung von Panikattacken oder „Angststörungen“ begünstigen, sollten jedoch separat behandelt / aufgearbeitet werden. Eine „schwere Kindheit“ oder ähnliches ist jedoch kein Garant für Angststörungen und / oder Depressionen im späteren Leben. Und genau so wenig ist ein Mensch mit einer scheinbar glücklichen Kindheit und Jugend vor derartigen „Erkrankungen“ gefeit. Der Nervenstress einer „Angststörungen“ findet im Hier und Jetzt statt und sollte auch in genau diesem Zeitraum behandelt werden. Das Kramen in der Vergangenheit bringt hier höchstens mäßigen Erfolg – und wenn, zumindest keinen langfristigen.

Auffällig ist, dass oft besonders intelligente, hilfsbereite, rechtsschaffende, kreative / musikalische und mutige Menschen unter Ängsten, Panik oder Depressionen leiden. Sie alle verbindet eine Eigenschaft: eine meist überdurchschnittlich hohe Sensibilität sich selbst und ihrer Umwelt gegenüber.

Stress und Druck zu haben und emotional oder physisch ausgelaugt zu sein, reichen […] nicht aus, um eine generalisierte Angststörung“ zu entwickeln […]

Was ist, wie entwickelt und äußert sich eine Angststörung?

Drei aufeinander treffende Faktoren sind die häufigste Ursache:

Emotionale / mentale Ermüdung

1. Emotionale / mentale Ermüdung (Leistungsdruck; Einsamkeit; Verlust eines geliebten Menschen; häufige Panikattacken; Probleme im Beruf, in der Schule, in der Familie oder im Freundeskreis) bzw. physische Ermüdung (schlechte Ernährung; körperliche Krankheit; zu viel oder zu wenig Bewegung)

Sensibilisierung der Nerven

2. Sensibilisierung der Nerven. Sensibilisierte Nerven?“ Gehen wir einfach mal davon aus, dass verhäufte Panikattacken Grund für die „schlechten Nerven“ sind… wurde erst ein Mal die erste richtig schlimme Panikattacke erlebt – die oft einen tiefen Eindruck beim Betroffenen hinterlässt – lässt den Betroffenen diese Erfahrung in den meisten Fällen nicht so einfach wieder los. Es wird bereits die nächste, übernächste und überübernächste Panikattacke gefürchtet. Das strapaziert und sensibilisiert die Nerven und man reagiert immer öfter, immer schneller und immer heftiger auf unwillkommene Gefühle, Gedanken oder körperliche Symptome. In manchen Fällen kann auch der andauernde Ärger oder Leistungsdruck im Beruf zu dieser Sensibilisierung führen.

Angst, Irritation und Unswissenheit

Doch erst, wenn der 3. und entscheidende Faktor mit ins Spiel kommt, werden die Symptome und die sensibilierten Nerven zu einem Problem für uns und ebnen nicht selten den Weg für eine „Angststörung“: Angst und Irritation / Unwissenheit. Angst vor dem, was wohl als nächstes kommt; Angst vor der Tatsache, gerade nicht mehr wie gewohnt zu „funktionieren“ und davor, für immer so „zu bleiben“.

„Was ist los mit mir?“, Was denken die anderen von mir, wenn ich irgendwann womöglich ‚ausflippe‘ oder ohnmächtig werde?“, Was ist, wenn ich bei meinem nächsten ‚Anfall‘ allein zu Hause bin und mir niemand zu Hilfe eilen kann?“ …diese und ähnliche stille Monologe schüren und unterstützen die Angst. Stress und Druck zu haben und emotional oder physisch ausgelaugt zu sein, reichen demnach nicht aus, um eine generalisierte Angststörung“ zu entwickeln – es ist die ständige Angst, das Sorgen, das Irritiertsein über bestimmte Symptome oder generell über den eigenen ausgebrannten Zustand, die dazu führen. Eine generalisierte Angststörung“ kann nämlich von regelmäßigen Panikattacken begleitet sein – gerade, wenn Panikattacken und die Angst davor dort hingeführt haben – muss sie aber nicht. In den meisten Fällen spielen Panikattacken aber eine große Rolle und / oder sind der Auslöser.

Aber ich kann Euch beruhigen! Die Symptome (genau genommen sind es – wie schon öfters erwähnt –
Stresssymptome) einer generalisierten „Angststörung“ sind vielseitig, aber begrenzt – in Intensität und Menge. Außerdem möchte ich nochmals darauf hinweisen, dass das Sterben – auch durch langjähriges Leiden an Panikattacken oder Depression – ausgeschlossen ist.

Alle Symptome haben dieselbe Ursache und können alle auf ein und dieselbe Weise geheilt werden.

Häufige Ängste, körperliche und psychische Beschwerden / Symptome sind:

  • Beeinflussbarkeit und Unentschlossenheit
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  •  Tinitus
  •  Unlust
  • „Sterne, Blitze oder Lichter sehen“
  • Schmerzen und Krämpfe (oft im Brustbereich)
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Händen, Armen und Beinen
  •  „Weiche Knie“
  • Das Gefühl, nicht mehr gehen zu können
  • Das Gefühl, einen Herzinfarkt zu haben
  •  Ständige Müdigkeit
  •  Kopfschmerzen
  • Übelkeit
  • Häufiges „Erröten“
  • Lichtempfindlichkeit
  •  Verschwommene Sicht
  •  „Tunnelblick“
  •  Panikattacken
  •  Phobien
  •  Zittern
  •  Schwitzen
  •  Hitzewallungen / Frieren
  •  Schwindelgefühle
  • Ohnmachtsgefühle
  •  Lichtempfindlichkeit
  • Versagensängste
  •  Schluckbeschwerden
  •  Angst vor dem Ersticken
  •  Angst, ein Fahrzeug zu führen
  • Angst, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen
  •  Angst, sich in der Öffentlichkeit zu übergeben
  • Angst, keine Toilette in der Nähe zu haben
  •  Angst, sich selbst oder andere zu verletzen
  •  Angst, verrückt zu sein / werden
  •  Angst vor dem Tod oder jemanden zu verlieren
  •  Angst vor einem Gehirntumor
  •  Angst vor einer „Einweisung“
  •  Angst vor einem Herzinfarkt
  •  Angst vor Krankheiten
  •  Angst davor, nie wieder gesund zu werden
  •  Perverse Fantasien
  •  Obsessive/s Denken oder Handlungen
  • Agoraphobie (Angst vor dem Verlassen der gewohnten Umgebung)
  •  Unwirklichkeitsgefühle (Depersonalisierung / Derealisierung)
  •  Depression

Fast jeder von uns kennt mindestens die Hälfte dieser Symptome aus eigener Erfahrung – zumindest bis zu einem gewissen Grad. Völlig gleich, ob er von einer Angststörung“ betroffen ist oder nicht. Und das ist ein weiterer wichtiger Punkt.

Den Unterschied zwischen einem „Erkrankten“ und einem „gesunden“ Mensch macht dabei die unerträgliche Angst. Eine Angst, die so stark und überwältigend ist und so unkontrollierbar erscheint, dass sie diese Symptome (1.) hervorrufen kann und (2.) diese nach Eintritt begleitet und verstärkt. Solche intensiven Erfahrungen führen dazu, dass man das Auftreten bestimmter Symptome irgendwann ganz besonders fürchtet. Somit kann bspw. das Schwitzen für den einen „Erkrankten“ die absolute Hölle sein und für den anderen „Erkrankten“ lediglich eine Nebenrolle spielen, weil dieser sich eher auf das Fürchten seiner „weichen Knie“ eingeschossen hat – und plötzlich wird aus einem rein physischen Symptom zusätzlich ein psychisches Symptom.
Da ein nervlich stabiler Mensch einige Symptome (in schwacher Form) selbst kennt, sie ihn aufgrund seiner guten Verfassung jedoch nicht lang gedanklich beschäftigen können, ist es für ihn schwer nachvollziehbar, weshalb sich ein „Erkrankter“ davor fürchtet, bspw. den Supermarkt zu betreten; z.B. aus Angst, dort ohnmächtig zu werden.

[…] nicht die Symptome, die Panik, die Depression und die merkwürdigen Gedanken ansich sind die Krankheit, sondern wie wir darüber denken, damit umgehen […]

Alle genannten (und auch nicht genannten) Symptome basieren zunächst auf physischen Irritationen und einem ermüdeten Denkvermögen, die mit dem Verstand voreilig falsch interpretiert und ausgeschmückt werden.

Mit physischen Irritationen, meine ich nicht physische Krankheiten. Wobei ihr, um körperliche Krankheiten, die Euch gewisse Symptome bescheren oder verstärken, ausschließen zu können, in jedem Fall mal einen Arzt / Allgemeinmediziner aufsuchen solltet. Auch ein hormonelles Ungleichgewicht kann dafür sorgen, dass man sich schon von Haus aus abgeschlagen fühlt und „verwundbarer“ ist. Es gilt demnach auch, möglichst viele zusätzliche Faktoren zu eliminieren (oder zumindest zu er-kennen), die zusätzlich stressen.

Fight-or-Flight Response

In der Regel sind die Symptome jedoch – wie bereits erwähnt – Auswirkungen der „Fight-or-Flight Response“ und wurden von der Natur kreiert, um das längst mögliche Überleben des Körpers sicherzustellen. Sie passieren nicht einfach so – dafür ist der Körper zu intelligent und zu perfekt auf das Leben ausgerichtet. Nichts in unseren Körpern passiert willkürlich. Es ist auch keine fremde Macht für diese „Unannehmlichkeiten“ verantwortlich – auch wenn es manchmal schwer fällt, das zu glauben; besonders weil man sich so ohnmächtig, so ausgeliefert fühlen kann.

Und hier kommen wir zu einer ganz wichtigen Erkenntnis, die ich auch schon im ersten Artikel kurz angerissen habe, welche maßgeblich für eine langfristige Heilung ist… nicht die Symptome, die Panik, die Depression und die merkwürdigen Gedanken ansich sind die Krankheit, sondern wie wir darüber denken, damit umgehen; auf Alltägliches und akute Stresssymptome reagieren. Auch schlimm, viele Betroffene machen sich sogar noch selbst Vorwürfe, halten sich für schwach. Nicht die Angst und die Symptome fühlen sich schrecklich an, sondern die mentale Gegenwehr. Diese Gegenwehr, die das Öl ins Feuer gießt und somit Symptome verstärkt und letztendlich die „Krankheit“ am Leben hält.
Wehrt man sich gegen den Treibsand, so versinkt man; schwimmt man im Wasser gegen die Strömung an, macht das schnell müde; lenkt man das Fahrzeug auf rutschiger Fahrbahn nach rechts, rutscht man nach links. 
Wie genau man mit einer „Angststörung“ und Symptomen umgehen muss und inwiefern ein anderer Lebensstil die Heilung unterstützen kann, erkläre ich in den kommenden beiden Artikel – vor allem in dem letzten Artikel.

In einigen Fällen überspringt die Depression aber auch alle anderen Symptome, wie beispielsweise das Problem mit den Panikattacken, und stellt gewissermaßen ein eigenes Krankheitsbild dar.

Ihr wundert euch eventuell, warum ich das Thema Depression immer wieder mal erwähnt habe, aber nie darauf eingegangen bin. Das liegt daran, dass die Depression, im Zusammenhang mit der generellen „Angststörung“, fast immer am Ende der Verkettung der Symptome auftaucht / entsteht. Die Depression setzt ein, wenn die emotionale Verfassung eines Menschen so sehr am Boden ist, dass alles Tun und Denken zwecklos erscheint. Man hat meist einen langen Leidensweg hinter sich… Therapien, Religionen, neunmalkluge Buddha-Sprüche und alternative Heilungsmethoden haben bisher nie den gewünschten Effekt erzielt – zumindest nicht langfristig. Man ist es leid, in Angst vor sich und der Umwelt zu leben. Die Energiereserven sind längst aufgebraucht und es erscheint unmöglich, irgendwann mal wieder „normale Emotionen“, außerhalb von starker Angst und Besorgtheit, zu verspüren.
Die gleichen Gründe führen übrigens nicht selten zu schrecklichen Unwirklichkeitsgefühlen (Depersonalisierung und / oder Derealisierung) – ein Zustand u.a. hervorgerufen durch zu langes Grübeln und ständiger Introspektion. Ist der Körper zu lange / regelmäßig negativen Emotionen ausgesetzt oder fürchtet, ein Traumata (wie bspw. bei emotionalen oder sexuellen Misshandlungen) zu erleiden, kappt er vorübergehend vorsichtshalber die Leitung zu allen Emotionen – denn jegliche Emotion stellt dann eine potentielle Gefahr für die Zukunft von Körper und Verstand dar. Die Folge ist ein mentales und / oder körperliches Taubheitsgefühl. Und natürlich ist dieses Gefühl so unerträglich und besorgniserregend, dass wir mit unserem Verstand beginnen, dagegen zu kämpfen… es einfach nur „weg haben“ zu wollen. Die Folge ist bekannt: mehr Stresshormone, mehr Symptome, mehr Krankheit.

In einigen Fällen überspringt die Depression aber auch alle anderen Symptome, wie beispielsweise das Problem mit den Panikattacken, und stellt gewissermaßen ein eigenes Krankheitsbild dar. Aber auch hier ist der Auslöser die emotionale / mentale oder physische Ermüdung, sensibilisierte Nerven und die darauf folgende Angst – die Angst davor, so zu sein und so zu bleiben. Deshalb ist auch hier, bei dieser „zweiten Variante“ der Depression, die Heilung dieselbe wie für alle anderen Symptome einer „Angststörung“.

Abschließend möchte ich anmerken, dass ich das Wort „Angststörung“ eigentlich viel zu hart, unpräzise und irreführend finde. Doch da uns der deutsche Wortschatz und die Psychologie keine schönere Definition bieten und ich der Meinung bin, dass man die einzelnen Symptome nicht als differenzierte „Krankheitsbilder“ sehen und deshalb nicht unterschiedlich / separat behandeln sollte, bleibe ich einfach bei dem Oberbegriff „Angststörung“, stellvertretend für (1.) ungewöhnlich große Ängste, (2.) Stresssymptome (wie bspw. Panik) und (3.) Depression.

Im kommenden Artikel (#03) geht es um falsche Behandlungen und um welche Menschen / Gruppierungen man lieber einen großen Bogen machen sollte, wenn man auf der Suche nach Stabilität im eigenen Leben ist.

Alles Gute und passt auf Euch auf.

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