Die Welt zu bereisen, neue Kulturen zu entdecken und die schönsten Reiseziele entdecken; ist für die meisten von uns ein fester Bestandteil des Lebens. Doch ist das auch möglich, wenn man auf einen Rollstuhl angewiesen ist? Kim beschreibt sich selbst als leidenschaftliche Reisende auf vier Rollen. Ihre positive Energie und aufgeschlossene Art ist geradezu ansteckend und vor allem inspirierend. Im heutigen Interview verrät Kim uns ihre liebsten Destinationen und worauf man achten sollte, wenn man mit Rollstuhl reist.

• Magst du uns ein bisschen von dir und deinem Blog Wheelie Wanderlust erzählen? 

Ich bin Kim, 31 und mit Leidenschaft Reisende auf 4 Rollen. Aufgrund einer Muskelerkrankung bin ich seit meiner Jugend auf einen Rollstuhl angewiesen. Hab ihn “Lutzi” getauft und er ist mein treuester Begleiter, wenn ich durch die Weltgeschichte segle. Wer mit Rollstuhl oder einer anderen Einschränkung reist, hat automatisch besondere Anforderungen an das Reiseziel, was auch eine besondere Planung und Vorbereitung erfordert. Und damit es hoffentlich dem ein oder anderen als Ansporn oder Planungshilfe dient, teile ich meine Erlebnisse auf Wheeliewanderlust. Ist natürlich alles für jedermann nachahmbar, ein besonderes Augenmerk lege ich natürlich auf die schönsten rollstuhlgerechten Orte der Welt.

• Welche Reisen und Trips sind für 2019 geplant?

Wir starten die erste größere Reise diesen Jahres im Februar. Mein Wunsch ist es schon lange eine Safari zu machen und hoffentlich auch die Big 5 zu sehen und deshalb geht es nach Südafrika (von Kapstadt bis Johannesburg). 

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• Reisen mit Rollstuhl bedarf sicherlich oftmals mehr Planung und Organisation. Hast du hier vielleicht einige Tipps und Tricks, die du mit uns teilen möchtest? Vielleicht ist es ein Ansporn für andere Personen, die aus solchen Gründen bislang Angst hatten, die Welt zu entdecken und zu reisen.

Ja absolut, Treppen oder nicht funktionierende Fahrstühle können da schon bei der Anreise zur Katastrophe werden. Außerdem sollten natürlich die Unterkünfte geeignet sein. Die Anforderungen hier sind je nach Einschränkung ganz unterschiedlich – ein barrierefreier Zugang, große Toiletten mit Haltegriffen und ebenerdige Duschen mit Sitz sind schon mal spitze bzw. für manche das Mindeste.

Die Internetportale geben nicht immer die gewünschten Informationen dazu, darum kontaktiere ich vor jedem Urlaub die gewünschte Unterkunft direkt via E-Mail oder Telefon und melde im Vorfeld immer meinen Rollstuhl an, damit es nicht zu bösen Überraschungen kommt. Bei Bahn und Flugreisen ist es besonders wichtig rechtzeitig die gewünschte Hilfeleistung (Hilfe beim Einstieg über Treppen, Sitzplatzreservierung mit Rollstuhlstellplatz usw.) anzumelden. Tut man das nicht oder nicht rechtzeitig kann die Beförderungen verweigert werden.

Ebenfalls ganz hilfreich sind Facebook-Gruppen, in denen sich Interessierte über ihre Erfahrungen und Erlebnisse austauschen – da hole ich mir gerne Tipps und Anregungen, genauso wie bei anderen Reisebloggern.

Es bleibt nicht aus, dass einem auf Reisen Hindernisse begegnen, genauso wie zu Hause auch, warum dann nicht gleich was dabei erleben?! Und reisen.

• Wie begegnen dir die Menschen auf Deinen Reisen? 

Mit am schönsten auf meinen Reisen sind die Begegnungen mit den Menschen. Auf manchen Reisen wurden sogar Freundschaften geschlossen, die bis heute andauern. Ich liebe es neue Kulturen und Lebensweisen kennenzulernen. Auch wenn sie manchmal dazu dienen, dass man zu schätzen weiß, was man zu Hause alles hat. Auf meinen Reisen sind mir fast ausnahmslos aufgeschlossene, hilfsbereite und freundliche Menschen begegnet. Ich glaube, wie man sich gibt, spiegelt sich auch in der Art und Weise wieder, wie dir deine Mitmenschen begegnen.

Was ich mittlerweile gewohnt bin, dass mich die Leute oft anstarren. Mittlerweile dürfte ein Rollstuhl keine Besonderheit sein, dennoch scheine ich damit aufzufallen. Daran werde ich mich wohl nie gewöhnen. Trotzdem lache ich die Menschen an, entweder sie gucken beschämt weg und im besten Fall lachen sie zurück.

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• Was war bisher deine schönste Destination / Reise?

Puh schwierige Frage, mir haben bisher alle unsere Reisen gefallen. Am meisten überrascht oder beeindruckt hat mich, glaube ich, Tel Aviv. Der einzige Ort, den ich je besucht habe, wo ich mir – neben meinem Zuhause – sogar vorstellen könnte zu leben.

• Du strahlst eine unbändige Lebensfreude aus, steckst mit deinem Lachen an und machst Mut. Woher ziehst Du diese Leichtigkeit und Freude? Verrat uns gerne deine persönlichen Energiebooster.

Nimm dir nie ein Beispiel an den Leuten, denen es “vermeintlich” besser geht, mach dir lieber klar, dass es leider sogar Menschen gibt, denen es noch viel schlechter geht.
Das mach ich mir immer wieder und wieder bewusst.

Ich habe schon früh gelernt, dass es nichts bringt, wenn man sich über Dinge aufregt, die man eh nicht ändern kann. Ich suche lieber einen Weg, wie man damit leben kann und stecke dort meine Energie hinein.
Ich freue mich mit meinen Mitmenschen und ich gönne, ich bin immer positiv und stecke mir Ziele, die ich auch erfüllen kann.

Ich glaube, das ist wahrhaftig schon das ganze Hexenwerk – zumindest mein Weg zum glücklich sein.

• Wofür bist Du in Deinem Leben besonders dankbar?

Das ich das Glück habe die Liebe meines Lebens gefunden zu haben. Klingt kitschig, ich weiß, dennoch wird das nicht jedem vergönnt sein und darum bin ich hierfür besonders dankbar, gerade weil ich das vor 15 Jahre nicht für möglich gehalten hätte.


Fotos © Kim, Wheeliewanderlust


Liebe Kim, vielen herzlichen Dank für das tolle, inspirierende Interview mit Dir. Mehr über Kim, ihre Reisen und natürlich über Lutzi findet Ihr direkt auf ihrem Blog Wheeliewanderlust,  Instagram @wheeliewanderlustFacebook oder Pinterest.

 

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2 Comments

  • Posted 19. Januar 2019 22:15
    by Carolin

    Ich folge Kim nun schon länger. Sie hat die gleiche Behinderung wie ich und ich bewundere ihre positive Energie!

    • Posted 22. Januar 2019 12:41
      by Elisa Zunder

      Ich finde es auch großartig, welche positive Energie Kim ausstrahlt und somit
      auch weitergibt. 🙂

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