Foto © Laura Lauch on Unsplash

Grenzen setzen ist ein wichtiger Aspekt der Selbstfürsorge und trotzdem fällt es vielen von uns immer noch sehr schwer. Sobald wir uns mal dazu durchringen, klingelt gleich darauf auch schon das schlechte Gewissen an. Wir denken nämlich leider noch viel zu oft Grenzen aufzuzeigen oder eben auch mal Nein zu sagen sei egoistisch. Dabei ist es so wichtig, auf die eigenen Bedürfnisse zu hören und sich selbst und nicht nur den anderen Mitgefühl und Aufmerksamkeit zu schenken.

Warum fällt es uns so schwer, Grenzen zu setzen?

Oftmals trauen wir uns nicht Nein zu sagen, da wir Angst haben unser Gegenüber zu verärgern oder zu verletzen. Es liegt einfach in der Natur des Menschen, dass wir anderen gefallen möchten und dazu gehören wollen. Doch wenn unser Fokus immer nur auf andere Personen – Partner*in, Familie, Freunde etc.– gerichtet ist, verlieren wir uns und unsere eigenen Bedürfnisse nach und nach aus den Augen. Die Folge: wir fühlen uns ausgelaugt und sind unzufrieden.

Selbst im Flugzeug wird gesagt: „Setze Dir zuerst die Atemmaske auf, bevor Du Deinem Sitznachbarn / Deiner Sitznachbarin hilfst!”
Dies zeigt uns doch ganz klar, dass wir anderen erst helfen können, wenn es uns gut geht und wir auch in der Lage dazu sind. Doch leider läuft dies im Alltag oftmals anders ab und wir sagen meistens Ja zu Dingen, auf die wir eigentlich gar keine Lust haben oder wofür uns obendrein die Zeit fehlt.

Im Umkehrschluss soll das alles übrigens nicht heißen, dass wir nur noch Nein sagen und niemanden mehr helfen sollten. Es geht vielmehr darum, gesunde Grenzen zu setzen, auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und sich selbst ein*e gute*r Freund*in zu sein.


Vielleicht auch interessant für dich: „Nein sagen“ lernen

Warum es wichtig ist, Grenzen zu setzen

Unsere Zeit und Energie gehören zu unseren wichtigsten Ressourcen, daher sollten wir lernen, hiermit gut zu haushalten. Soll heißen, dass wir uns auch genügend Zeit für uns und Dinge nehmen, die uns Freude bereiten. Mit diesem Akt der Selbstfürsorge füllen wir unsere Energiereserven wieder auf. Die Folge: Wir fühlen uns ausgeglichen und zufriedener.

Auf Dauer räumt uns das Setzen von Grenzen eine Verschnaufpause vom Alltag ein. Dies sorgt in Wechselwirkung dafür, dass wir mit frischer Power viel besser für unsere Liebsten da sein können oder wir uns auch im beruflichen Umfeld besser konzentrieren können und dadurch bessere Leistungen erzielen. Selbst Spitzensportler erwähnen immer wieder, wie wichtig Regenerationsphasen sind, um danach wieder zu performen.

Vielleicht auch interessant für dich: Alte Gewohnheiten ändern

7 Möglichkeiten, um Grenzen zu setzen

Gerade am Anfang fällt es überhaupt nicht leicht Grenzen zu setzen, da wir es nicht gewohnt sind und unsere alten, gewohnten Muster im Weg stehen. Das schlechte Gewissen meldet sich jedoch völlig unbegründet und zu Beginn muss man lernen, es auszuhalten. Nicht einfach, aber wichtig, damit sich die neue Gewohnheit festigen kann. Umso öfter du das wiederholst, desto leichter fällt es auf Dauer.

Rückschritte wird es vermutlich immer mal wieder geben, aber sieh das Ganze einfach als Prozess. So kannst du unnötigen Druck rausnehmen und es wird viel leichter fallen deine persönlichen Bedürfnisse ab sofort in den Fokus zu rücken.

Vielleicht auch interessant für dich: Fiese Energiefresser – Menschen, die uns Kraft kosten

1. Wo liegen deine Prioritäten?

Sobald du deine Prioritäten kennst, kannst du wunderbar herausfinden, in wen oder was du deine Zeit und Energie investieren möchtest. Falls du hierbei schon feststellen solltest, dass du in den meisten Fällen die Anliegen anderer Menschen über deine eigentlichen Prioritäten oder Werte stellst, ist es an der Zeit nachzujustieren.

Hierbei können dir Fragestellungen weiterhelfen wie:
Was ist mit wichtig?
Mit wem oder womit möchte ich meine freie Zeit verbringen?

Falls du mit den Fragestellungen noch nicht weiterkommst, empfehle ich eine Liste. Schreibe alle Dinge auf privat und beruflich, die regelmäßig anfallen. Nachdem du all dies festgehalten hast, schreibe danach eine Liste mit Dingen, die du gerne öfter machen würdest und für die du gerne mehr Zeit hättest. Nun hast du schon einmal einen groben Überblick und stellst vielleicht auch schon fest, welche Dinge du ggf. reduzieren oder sogar streichen könntest. Außerdem könnte es auch hilfreich sein, Kategorien für einzelne Lebensbereiche zu erstellen, um die Prioritäten daraufhin noch einmal besser einzuteilen.

Übrigens müssen Prioritäten nicht in Stein gemeißelt sein. Es ist ganz normal, wenn sich diese von Zeit zu Zeit verschieben. Daher ist es sinnvoll, regelmäßig ein Check-in zu machen, zu reflektieren und sich ggf. wieder neu auszurichten. Ich persönlich nutze hierfür total gerne ein Journal, sodass ich den Prozess nachvollziehen kann.

2. Hör auf dein Bauchgefühl

Es mag vielleicht etwas abgedroschen klingen, aber in den meisten Fällen gibt uns unser Bauchgefühl schon die richtige Richtung an. Wir hören leider nur viel zu selten darauf.

Folgendes Szenario: Ein Freund will am Freitagabend mit dir um die Häuser ziehen. Du hast allerdings eine anstrengende Woche hinter dir, bist total erschöpft, möchtest am liebsten zu Hause entspannen und früh ins Bett, um frisch in den Samstag zu starten. Außerdem hattest du dir vorgenommen, an der Yoga-Klasse am Samstag teilzunehmen, da das unter der Woche viel zu kurz kam und du weißt, wie gut dir die Bewegung tut. Du hast Yoga also zu einer deiner persönlichen Prioritäten gemacht, um dein Wohlbefinden zu steigern.

Doch dann schaltet sich meistens der Kopf ein: „Ich möchte meinem Freund keine Abfuhr erteilen, vielleicht wird es ja auch ganz witzig, wobei eigentlich wollte ich doch morgens zum Yoga, außerdem wer bleibt freitags schon zu Hause, vielleicht verpasse ich ja etwas Spannendes …“ Du kennst das Spiel. Und zack sagen wir zu, obwohl wir uns eigentlich überhaupt nicht danach fühlen.

Es mag sogar sein, dass es wirklich ein toller Abend wird, aber zum Yoga am nächsten Tag schafft man es dann vermutlich nicht. Sagen wir mal so, wenn dies zwischendurch mal vorkommt, sollten wir uns jetzt keine großen Sorgen oder Druck machen. Falls wir unsere Signale des Körpers (in diesem Fall Erschöpfung) und die eigenen Bedürfnisse jedoch ständig ignorieren, sollten wir noch einmal zu Punkt 1 zurück und unsere Prioritäten checken.

3. Biete eine Alternative an

In den meisten Fällen ist es übrigens möglich eine Alternative anzubieten.

Wenn dich jemand um etwas bittet und du denkst, dass du nicht die richtige Person für den Job bist (z. B. fehlendes handwerkliches Geschick), kannst du beispielsweise eine andere Person mit mehr Geschick auf dem Gebiet oder einen Dienstleister empfehlen. Möglich wäre auch zu sagen, dabei bin ich dir vermutlich keine große Hilfe, aber ich kann dir gerne stattdessen etwas anderes abnehmen, sodass du dich selbst darum kümmern kannst.

Dieses Prinzip funktioniert wunderbar und vor allem ohne schlechtes Gewissen, da man kooperativ ist und ggf. auch schon mit einem guten Tipp weiterhelfen kann.

4. Steh zu deiner Antwort

Steh zu deiner Antwort und lass dich nicht zu etwas überreden, auf das du keine Lust oder wofür du keine Zeit hast. Stichwort: Prioritäten.

Deine Freunde oder die Familie sind vielleicht enttäuscht, dass du dieses Mal eine Einladung ausschlägst, aber sie sollten in der Lage sein deine Entscheidung zu respektieren.

5. Bleib stark (auch wenn sich das schlechte Gewissen meldet)

Das schlechte Gewissen wird sich melden und will dich verunsichern. Mit alten Gewohnheiten zu brechen, ist nun einmal nicht ganz so einfach. Hier bleibt jedoch nur eins: aushalten und sich immer wieder klar machen, dass es absolut unbegründet ist.

6. Tue Dinge, weil sie dir ein gutes Gefühl geben

Wie wäre es nicht immer nur andere zufriedenzustellen, sondern auch dich selbst?

Deshalb ist es so wichtig, dass wir Dinge tun, die uns Freude bereiten. Und diese können von Person zu Person völlig unterschiedlich sein. Überlege dir, woran du Freude hast und welche Dinge oder Erlebnisse dir Freude machen.

Plane diese Aktivitäten und Ausfallzeiten ab sofort unbedingt fest in deinen Kalender ein und behandle diese wie alle anderen wichtigen Termine. So gehst du sicher, dass du dir auch wirklich die Zeit hierfür nimmst.

7. Mach dir keinen Druck, wenn’s mal nicht klappt

Du hattest dir fest vorgenommen Nein zu sagen, aber es hat nicht geklappt?

Kein Grund wütend auf sich zu sein oder sich zusätzlichen Druck zu machen. Das Setzen von Grenzen ist noch komplett neu für dich und daher ist es ganz normal, wenn es nicht immer klappt und man hin und wieder in die alten Muster zurückfällt.

Wunderbar ist doch schon einmal, dass du es bemerkst und beim nächsten Mal klappt es sicherlich wieder besser. Übrigens umso öfter du Grenzen aufzeigst und für dich selbst einstehst, desto besser funktioniert es mit der Zeit. Es ist eben ein langer Prozess, um alte Gewohnheiten zu ändern und neue zu festigen.

 

Und zum Schluss noch ein liebevoller Reminder: Denke immer daran, dass du die Kontrolle über dein Leben hast, deine Zeit und Energie sind begrenzt und du auch nicht jedem gefallen musst.


6 Comments

  • Posted 9. Juni 2021 12:19
    by Shadownlight

    Ein wirklich sehr wichtiges Thema mit dem ich mich auch schon lange befasst habe.
    Liebe Grüße!

    • Posted 9. Juni 2021 13:25
      by Elisa

      Ja, das stimmt. Wunderbar, dass Du Dich damit auch schon befasst hast
      und gesunde Grenzen setzen kannst 🙂

      Liebste Grüße,
      Elisa

  • Posted 10. Juni 2021 21:52
    by Sandra

    Grenzen setzen zu lernen ist so wichtig. Mir hat gut gefallen, dass du mit den eigenen Prioritäten begonnen hast. Es ist auch meine Erfahrung, dass wir eben um diesen Schritt nicht drumherum kommen. Hätte es wahrscheinlich Werte genannt, aber letztlich kommen wir zum selben Punkt. Toll geschrieben

    • Posted 14. Juni 2021 16:32
      by Elisa

      Liebe Sandra,

      das stimmt absolut 🙂
      Wie schön, dass Dir der Artikel so gut gefällt und wir
      hier auf einen gemeinsamen Nenner kommen.

      Ganz liebe Grüße,
      Elisa

  • Posted 15. Juni 2021 17:00
    by Nicole

    Liebe Elisa,
    dieses Thema ist soo wichtig und wir müssen uns das auch immer wieder vor Augen führen. Deine Tipps dazu sind klasse. Danke!
    Liebe Grüße
    Nicole

    • Posted 16. Juni 2021 10:28
      by Elisa

      Liebe Nicole,

      ja, ein soooo wichtiges Thema. Freut mich sehr, dass Dir
      meine Tipps so gut gefallen.

      Sonnige Grüße,
      Elisa

Leave a comment